China streicht Exportsteuerrabatt für Batteriespeicher

China streicht Exportsteuerrabatt für Batteriespeicher: Was Installateure jetzt beachten sollten

China senkt den Mehrwertsteuer-Exportrabatt für Batterie- und Speicherprodukte in zwei Schritten und streicht ihn zum 1. Januar 2027 vollständig auf 0 %. Für Installateure, EPC-Unternehmen und alle, die Speicherprojekte planen, bedeutet das: Die Beschaffungskosten für Batteriespeicher aus China dürften mittelfristig steigen. Wir haben die wichtigsten Fakten zusammengetragen und geben Empfehlungen für die Projektplanung.

Was genau ändert sich?

Am 9. Januar 2026 veröffentlichten Chinas Finanzministerium (MOF) und die Staatliche Steuerverwaltung (STA) eine gemeinsame Bekanntmachung zur Anpassung der Exportsteuerrückerstattung für Photovoltaik- und Batterieprodukte. Für Speicherbatterien gilt folgender Zeitplan:

  • Bis 31. März 2026: Exportrabatt liegt bei 9 %
  • 1. April bis 31. Dezember 2026: Absenkung auf 6 %
  • Ab 1. Januar 2027: vollständiger Wegfall auf 0 %

Für Solarmodule und PV-Ausrüstung entfällt der Rabatt bereits zum 1. April 2026 komplett – Speicherprodukte erhalten also noch eine kurze Übergangsfrist.

Welche Produkte sind betroffen?

Die Liste umfasst 22 Batterieprodukte, darunter Lithium-Ionen-Akkumulatoren, Nickel-Metallhydrid-Batterien, Vanadium-Redox-Flow-Batterien sowie zentrale Vorprodukte wie Lithiumhexafluorophosphat und verschiedene Kathodenmaterialien (NCM/NCA). Damit sind sowohl einzelne Zellen als auch komplette Batteriespeichersysteme (BESS) betroffen. Natrium-Ionen- und Feststoffbatterien sind von dieser Regelung ausgenommen und bleiben nach aktuellem Stand bis Ende 2028 begünstigt.

Kein Einzelfall: Der Rabatt sinkt schon seit 2024

Die aktuelle Kürzung ist bereits die zweite innerhalb von gut einem Jahr. Der Exportrabatt für Batterien verlief seit November 2024 wie folgt: von 13 % auf 9 % (Dezember 2024), dann auf 6 % (April 2026) und schließlich auf 0 % (Januar 2027). Eine ähnliche, aber schnellere Entwicklung gab es bereits bei Photovoltaikmodulen.

Warum handelt China so?

Der Schritt ist Teil der chinesischen „Anti-Involution“-Politik gegen ruinösen Preiswettbewerb und Überkapazitäten in der heimischen Batterie- und Solarindustrie. Peking will verhindern, dass der Steuerrabatt faktisch als versteckte Exportsubvention wirkt – ein Vorwurf, der in laufenden Antidumping- und Antisubventionsverfahren der EU und USA immer wieder erhoben wird. Der chinesische PV-Industrieverband begrüßte die Maßnahme ausdrücklich als Beitrag zu „rationalerer Preisbildung“ und zur Entschärfung von Handelskonflikten.

Ergänzend hat China am 16. Juli 2026 eine neue Verbrauchssteuer auf Lithium-Ionen-Batterien angekündigt: 2 % ab 1. September 2026, steigend auf 4 % ab September 2027. Auch hier bleiben Natrium-Ionen- und Feststoffbatterien bis 2028 ausgenommen – ein klares Signal, welche Technologien China künftig fördern will.

Welche Preiseffekte sind zu erwarten?

Roland Berger-Branchenexperte Fu Qiang rechnet kurzfristig mit einem Preisanstieg von 2–4 % bei Energiespeicherbatterien; nach dem vollständigen Wegfall des Rabatts 2027 dürfte der kumulierte Effekt deutlich höher liegen – unabhängige Analysen sprechen von rund 5–9 % Aufschlag auf chinesische Exportpreise. Für den deutschen Markt kursieren bei Heimspeichern ab dem vierten Quartal 2026 Schätzungen von 8–15 % Preisaufschlag, da Batteriezellen rund 60–70 % der Herstellkosten ausmachen und die Kürzung hier direkter durchschlägt als bei Solarmodulen.

Ein wichtiger Vorbehalt

Mehrere Marktbeobachter, darunter InfoLink, betonen, dass der Effekt kurzfristig durch andere Faktoren überlagert wird: Sinkende Zellkosten und Skaleneffekte konnten die globalen BESS-Preise 2025 laut BloombergNEF sogar um 31 % senken. Entscheidend für die Projektplanung ist deshalb weniger der Tagespreis, sondern die mittelfristige Preisentwicklung, Liefersicherheit und Finanzierbarkeit über einen Zeithorizont von ein bis zwei Jahren.

Erste Marktreaktionen: Vorgezogene Bestellungen

Nach der Ankündigung im Januar 2026 schoss der Lithiumcarbonat-Preis an der Börse in Guangzhou zeitweise um 9 % auf das Tageslimit – der höchste Stand seit November 2023. Gleichzeitig kam es zu einem regelrechten „Export-Rush“: Speicherbatterie-Ausfuhren aus China legten im ersten Quartal 2026 kräftig zu, bevor sie im April wieder abflachten. Auch deutsche Distributoren orderten in diesem Zeitraum größere Mengen als üblich, um sich die noch gültigen Rabattsätze zu sichern.

Die Nachfrage bleibt hoch: Laut Branchendaten reichen die Auftragsbücher großer chinesischer Zellhersteller inzwischen bis weit ins Jahr 2027, die Kapazitätsauslastung liegt bei rund 90 %. Kurzfristig verfügbare Spotmengen sind entsprechend knapp.

Was bedeutet das für Ihre Projektplanung?

Kurzfristig: Zolldaten im Blick behalten

Für Projekte mit Fertigstellung Ende 2026 oder Anfang 2027 ist ein Detail entscheidend: Maßgeblich für den Steuersatz ist das Zollanmeldungsdatum in China – nicht das Vertrags-, Zahlungs- oder Lieferdatum. Wer die noch gültigen 6 % sichern will, sollte mit Lieferanten frühzeitig klären, wann die Ware tatsächlich zollrechtlich zur Ausfuhr angemeldet wird, und dies vertraglich festhalten.

Verträge absichern

Prüfen Sie bei laufenden Beschaffungsverträgen, ob „Change-in-Law“-Klauseln greifen und wer mögliche Mehrkosten aus der Steuerreform trägt. Fordern Sie von Lieferanten verbindliche Preiszusagen für Projekte mit Lieferzeitraum über den Jahreswechsel 2026/2027 hinaus.

Beschaffung breiter aufstellen

Es lohnt sich, Alternativen zu rein chinesischen Lieferketten zu prüfen – etwa Hersteller aus Südostasien, Korea, Japan oder Europa. Dabei zählt nicht nur der Preis pro Kilowattstunde, sondern die Gesamtbetrachtung aus Qualität, Gewährleistung, Liefersicherheit und Förderfähigkeit.

EU-Regularien mitdenken

Ab 18. Februar 2027 wird der Batteriepass nach EU-Batterieverordnung für Speicher über 2 kWh Pflicht. Zusätzlich gelten seit Mai 2026 EU-Förderrestriktionen für Wechselrichter und Leistungselektronik aus bestimmten Herkunftsländern, die auch auf Batteriespeichersysteme ausgeweitet wurden. Beides kann die Lieferantenauswahl und den Zugang zu Förderprogrammen beeinflussen und sollte schon jetzt in die Projektkalkulation einfließen.

Fazit

Der schrittweise Wegfall des chinesischen Exportsteuerrabatts ist kein kurzfristiger Ausschlag, sondern eine strukturelle Verschiebung, die sich über 2026 und 2027 hinweg entfaltet. Wer jetzt Speicherprojekte plant, sollte Beschaffungszeiträume, Vertragsklauseln und mögliche Lieferantenalternativen frühzeitig durchdenken – und dabei im Blick behalten, dass die tatsächliche Preisentwicklung auch von Rohstoffkosten und Marktdynamik in China mitbestimmt wird.

Hinweis: Prognosen zu Preisaufschlägen basieren auf Einschätzungen von Branchenanalysten (u. a. Roland Berger, InfoLink, BloombergNEF) und deutschen Marktakteuren zum Redaktionsschluss. Tatsächliche Preisentwicklungen können abweichen.

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